Das Emanzenstolztreffen am 25. November 2017

Angeregt von Susanne Ravens Bericht über ihre Erfahrungen mit dem Thema Geld haben wir dieses Thema auch noch einmal aufgegriffen. Letztlich haben wir alle dieselben Erfahrungen gemacht: Alle möglichen Dinge, Situationen, Aufgaben, Menschen und Themen sind wichtiger als ausgerechnet Geld, aber es ist unzweifelhaft, dass der Mangel oder das Vorhandensein von Geld darüber entscheidet, wie gut wir uns in unserem eigenen Leben fühlen und uns den wichtigeren Dingen im Leben widmen können. Geld ist Handlungsfreiheit, Geld ist selbstverständlich Macht. Und darum ist es eben kein Nebenschauplatz, dass Frauen und Armut in unserer Welt zusammenzugehören scheinen, dass Frauen nicht gleich bezahlt werden wie Männer für ihre Arbeit, dass Frauen ein so gebrochenes, gestörtes Verhältnis zu Geld und dem Erlangen desselben haben. Auf diese Weise und vor allem auf diese Weise werden die Machtverhältnisse in unserer Welt gesichert. Als zweites Thema stand natürlich die mittlerweile wieder versickerte und stets weiter trivialisierte Aktion „metoo“ im Raum. Dabei ging es mir vor allem darum, an dieser Aktion aufzuzeigen, dass Feminismus klar definierte und klar ausgesprochene Ziele braucht. Jede von uns ist sicherlich schon mit der rhetorischen Frage konfrontiert worden: Was wollt ihr Frauen eigentlich noch. Ihr seid doch längst rechtlich gleichgestellt. Hat jede von euch eine klare Antwort? Wir brauchen sie!
Ich habe versucht, mein wichtigstes Ziel zu formulieren. Ich will nicht weniger als das Ende des frauenfeindlichen, menschenfeindlichen, lebensfeindlichen Systems Patriarchat, sprich eine männerzentrierte Welt, in der wir Frauen allenfalls das Weibchen des Menschen sind. Ihr erinnert euch, wie ich einmal schon erzählte, dass der Sprecher eines Dokufilms über große Säugetiere sagte: Alle glauben immer, der Blauwal sei das größte Säugetier der Welt. Weit gefehlt, es ist das Weibchen des Blauwals. Wenn ihr wach hinschaut, dann seht ihr, dass uns nach wie vor immer noch die Rolle des Weibchens des Menschen zugewiesen wird. Ich will also eine Welt, die nicht den Mann und sein lebensfeindliches Schaffen (und aller ihm zuarbeitenden Frauen) in dieser Welt im Zentrum hat, sondern eine, in der Frauen im Zentrum stehen. Und nein, ich will keine Welt, in der Männer und Frauen gleichwertig im Zentrum stehen. Warum? Weil das nicht funktioniert. Eine Diskussion darüber gern, jedoch an anderer Stelle. Darüber haben wir gestern nicht gesprochen. Nicht, weil wir es ausgespart und vertagt haben, sondern weil sich alle Beteiligten darüber einig waren, dass ein matrilokales System für Frauen, Kinder UND Männer das lebenswerteste und beste System ist. Es sorgt dafür, dass es keine Frauen- und Kinderarmut gibt und interessanterweise auch dafür, dass es echte, wahre und von Wirtschaftsüberlegungen und Kinderaufzucht unbelastete Liebesbeziehungen gibt. Matrilokale Familien sind diejenigen, in denen alle die zusammenleben, die keine sexuellen Beziehungen untereinander haben. (im Übrigen wäre es in meinen Augen ein wichtiger politischer Schritt, wenn wir matrilokale Familien als gleichwertig anerkannt wie die Vater-Mutter-Kind-Familie bekommen würden) Also Mütter und ihre Kinder und Kindeskinder. Haus, Wohnung etc. verbleibt immer in deren Besitz. Womit wir wieder bei Geld ist Macht angekommen wären. Das von mir im Frühjahr begonnene Kassandra-Projekt ist dabei der Versuch, ein Verstehen dafür zu bekommen, wie aus diesen einstmals sinnvollen, natürlichen und segensreichen Urfamilien der Sturz ins Patriarchat geschehen konnte. Was Europa angeht, so geschah dieser endgültig vor ungefähr 3500 Jahren. Das Werk Homers und Dichtern der griechischen Antike erzählen von diesen Zeiten und blutigen Ereignissen.
Als drittes Thema befassten wir uns mit der Einsamkeit der Frau im Patriarchat. Dabei kam es mir darauf an, dass wir anhand unserer eigenen Lebensumstände (es waren tatsächlich fünf verschiedene Lebensentwürfe da) zu sehen, dass die Einsamkeit in jedem einzelnen der Lebensumstände auf ziemlich gleiche Weise vorhanden ist. Dieses Thema würde ich gern zu anderen Zeiten erweitern. Denn erst, wenn wir das erkennen, ist es uns nach meiner Auffassung möglich, uns in lebensfreundlichere Umstände zu begeben.
Ich fände es wunderbar, wenn wir die hier angerissenen Punkte aufgreifen und in Diskussionen weiterführen könnten. Für uns alle, die zum gestrigen Emanzenstolztreffen zusammengekommen waren, war es ein wunderbarer, mit guten Gedanken angefüllter Tag, ein frohes Zusammentreffen und eine große Freude des Beisammenseins. Hoffentlich bald wieder!

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